kur­ze Tex­te

Kurz­ge­schich­ten / Arti­kel (Aus­wahl)

  • Cra­zy Dog ist still ali­ve – ein Rei­se­be­richt

    Eine Stra­ße mit Bus­war­te­häus­chen, im „häss­li­chen Bezirk Strass­gang“. Die Tafel mit den Abfahr­ten ist unvoll­stän­dig, auf mei­ne has­tig gemur­mel­te Fra­ge bekom­me ich Nicken zur Ant­wort: Zagreb, da,  ja.  Die Bank ist kalt, die Fin­ger, die den E‑Reader hal­ten, klamm, ich schie­be mir die Hau­be unter den Hin­tern. So sit­ze ich und den­ke an Gral­la, den…

  • Bil­lig­con­tent Blues

    Ich schaue mei­nem Mann ins Gesicht. Sei­ne Augen sind geschlos­sen, wir lie­gen im Bett, es ist kurz nach halb sie­ben.  „Immer das­sel­be, lang­wei­li­ge Ritu­al“, sagt er, als er die Augen auf­schlägt. „Auf­ste­hen, Kaf­fee­ma­schi­ne ein­schal­ten, Zäh­ne put­zen, Käse­brot essen, aufs Klo gehen, duschen, anzie­hen und in die Schu­he schlüp­fen.“ „Ich schlüp­fe mor­gens nie in die Schu­he“,…

  • Maes­to­so

    Köf­lach. Dass dort der Vater ihrer Groß­cou­si­ne leb­te, denkt sie. Sie kann­te nur den Namen des Orts, nicht den Mann, und immer dach­te sie dabei an den eige­nen Vater und dass es zu sei­nem Auf­ent­halts­ort kei­nen Namen gab, kein Wis­sen. Jetzt ist auch Köf­lach kein Ort mehr. Die Schau­fens­ter fast alle leer, nur in einem…

  • “Hül­le & Fül­le” — Edi­to­ri­al

    Wir haben alles. Wir jam­mern auf hohem Niveau. Wir tun uns leid, wenn das Manu­skript nicht ange­nom­men wird, wenn es kei­ne Lobes­hym­nen reg­net. 95% der­je­ni­gen, die unse­re Lite­ra­tur­zeit­schrift lesen, sind wahr­schein­lich Autor*innen. 80% von ihnen geht es viel­leicht wie mir – sie ver­fal­len in Selbst­mit­leid, wenn es mal nicht so klappt. Viel­leicht ken­nen 40% das…

  • Die alte Simon

    Er bleibt vor der Tür sei­ner Nach­ba­rin ste­hen und schaut auf das Mes­sing­schild. Im Flur riecht es nach Putz­mit­teln. Dass die­se Mit­tel in jedem Haus gleich rie­chen, denkt er, als wür­de es eine spe­zi­el­le Putz­mit­tel­mar­ke für Stie­gen­häu­ser geben. Das Licht geht aus. Er macht drei Schrit­te nach links und schal­tet es wie­der an. Und was,…

  • Essay: Seid deutsch, bleibt einig!

    “Seid deutsch, bleibt einig!” – an die­sem Spruch müs­sen Slowen:innen in Rad­kers­burg noch immer täg­lich vor­bei­ge­hen. Anders als in Kärn­ten gab es in der Stei­er­mark für Slowenisch:innen lan­ge Zeit kei­ne Kul­tur­ver­ei­ne und auch kei­nen slo­we­nisch­spra­chi­gen Unter­richt, auch in den Kir­chen gab es kei­ne Mes­sen in slo­we­ni­scher Spra­che. Ich habe mich mit der Kärnt­ner Slo­we­ni­en Rez­ka…

  • “VATER VON SIE­BEN”

    Sie­ben Geschwis­ter sind sie gewe­sen, sag­te die Groß­mutter. Die Lore, der Otto, der Josef, den alle den Pepsch nann­ten, der Her­mann, der Lud­wig, die Meri und als Letz­te sie selbst, die Fips, eigent­lich Phil­ip­pa. Davor gab es noch drei Kin­der, aber die gehör­ten nicht dazu, die waren vor ihrer Zeit. Die drei haben ihren ers­ten…

  • Pup­pen­heim, rosa­rot

    Du lebst in einem Pup­pen­zim­mer. Du hast ein Bett, deckst dich mit zwei Decken zu. Am Abend lehnst du dich gegen die Rücken­leh­ne und ver­steckst dich in einer frem­den Welt zwi­schen Papier­sei­ten. Wan­derst durch Leben, die nicht dei­ne Leben sind, lebst Gefüh­le, die nicht dei­ne Gefüh­le sind. Zuerst kamen sie und zerr­ten an den Gar­di­nen.…

  • “Mond, Ster­ne und dazwi­schen wir” – Die Antho­lo­gie ist da!

    Leon kämpf­te sich durch den Schnee. Am Vor­abend hat­te der Win­ter die Stadt ein­ge­nom­men, seit­dem lag auf den Geh­stei­gen ein dicker, wei­ßer, knir­schen­der Tep­pich. Wäh­rend sich sei­ne Bei­ne vor­wärts­kämpf­ten, frag­te er sich Leon, wie ihn sei­ne Klas­sen­ka­me­ra­den nen­nen wür­den, wenn er nicht Anders hie­ße. Sein Freund Paul hat­te es auch nicht leicht. Weil er Spatz­in­ger…

  • Kurz­kri­mi für die Antho­lo­gie “Radies­chen von unten” von Rot­raud Schö­berl (Hg.)

    Alle sind sie gekom­men. Fein her­aus­ge­putzt, Schu­he poliert, Blick nach unten. Die arme Ber­ta, sagen sie. So eine gute See­le und so ein häss­li­ches Ende. Und was jetzt wohl wird, aus der Tru­di und dem Mar­tin, jetzt, da die Ber­ta nicht mehr für sie sor­gen kann. Wo doch die Tru­di nicht ein­mal mehr ihr eige­nes…

  • Pro­jekt Homeage — Schrei­ben wie … Adal­bert Stif­ter

    Mein Vater bewohn­te eine mit­tel­gro­ße Woh­nung in einer gro­ßen Gemein­de­bau­an­la­ge am Ost­rand der Stadt. Im Erd­ge­schoß des Gebäu­des befan­den sich außer einer klei­nen Super­markt­fi­lia­le noch ein Blu­men­ge­schäft, ein Tabak­la­den, ein Kaf­fee­haus, eine Schnaps­bar, eine Nacht­bar sowie eine Poli­zei­sta­ti­on. Im ach­ten Stock­werk wohn­te neben der Fami­lie mei­nes Vaters ein Ehe­paar, wel­ches die acht­zig seit eini­ger Zeit…

  • zum Nach­le­sen auf dem Ley­­­kam-Blog: Papa­ver­weg 6 — Bericht einer Recher­che

    Die­se klei­ne, dörf­lich anmu­ten­de Gas­se am Wie­ner Stadt­rand mit »Man­hat­te­ner Sky­line«, nur ein paar U‑Bahn Minu­ten vom Ste­phans­dom ent­fernt. Gibt es die wirk­lich? Oder ist alles nur Fik­ti­on? (Den Text habe ich für den Ley­kam-Blog ver­fasst)

  • 2. Platz beim Ser­vus Kri­mi Wett­be­werb

    Das Gesicht liegt im Schat­ten, des­we­gen kann Süß­kind sein Gegen­über nicht sehen. Aber hören kann er den Mann, dazu ist so eine Vor­rich­tung ja gedacht, zum Hören, und hören, das tut Süß­kind, von wei­chem Fleisch und süßem Atem, von blau­en Pup­pen­au­gen unter nas­sen Wim­pern und rot ange­lau­fe­nen Backen. Von Schweiß, süß­lich-sau­er wie Him­beer­saft, von stram­peln­den…

  • Die All­wis­sen­de Daten­müll­hal­de

    Ich weiß, was du tust und wie du tickst, gestand mir ein Infor­ma­tik-Freak, der mich per­sön­lich nie ken­nen­ge­lernt hat und außer­halb des Binär­sys­tems nie ken­nen­ler­nen wird. Ich weiß alles über dich, dein Leben ist eine prall gefüll­te Keks­do­se und wird durch Glas­fa­ser­ka­bel gespült, um direkt im rie­si­gen Bauch des NSA-Wals zu lan­den.

  • Club der Lite­ra­ten

    Es geht uns gut, dort oben am Kirch­berg, aber ja, wir trin­ken Wein und sehen in die Flam­men am Grill, wir klau­ben ger­ne Wor­te, wozu sich allei­ne fer­tig machen, hier sind wir in guter Gesell­schaft, es geht uns gut, und wenn du es nicht glaubst, dann bohr dir doch ein Loch ins Kniiiii­ieeee!

Consent Management Platform von Real Cookie Banner