In meinem Text “Schlafe, mein Prinzchen”, mit dem ich den 2. Platz des Servus Krimi-Kurzgeschichten-Wettbewerbs gewonnen habe, geht es um einen Kindermörder in den Praterauen, einen dienstmüden Kommissar und einen Pfarrer mit Gewissensbissen. Jetzt gibt es die Anthologie “Mörderische Alpen”, in der man die besten Texte des Wettbewerbs und viele Geschichten bekannter österr. Krimi-Autor_innen lesen kann – z.B. von Claudia Rossbacher, Alfred Komarek, Eva Rossmann und Stefan Slupetzky.

Mörderische Alpen
Servus Krimi, 2019
240 Seiten
ISBN-13 9783710402180

AUSZUG aus meiner KURZGESCHICHTE
SCHLAFE, MEIN PRINZCHEN
1.
Das Gesicht liegt im Schatten, deswegen kann Süßkind sein Gegenüber nicht sehen. Aber hören kann er den Mann, dazu ist so eine Vorrichtung ja gedacht, zum Hören, und hören, das tut Süßkind, von weichem Fleisch und süßem Atem, von blauen Puppenaugen unter nassen Wimpern und rot angelaufenen Backen. Von Schweiß, süßlich-sauer wie Himbeersaft, von strampelnden Beinchen, die Minuten zuvor noch auf dem Fahrrad gestrampelt sind und nun in die Luft treten. Schweiß bricht aus Süßkinds Körper, kein süßlich-saurer Himbeerschweiß, sondern herb-saurer Männerschweiß, er tränkt das Hemd und lässt die Lippen salzig schmecken, führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von den Bösen. Süßkind fährt mit dem Zeigefinger unter den Kragen, Luft, er bekommt keine Luft, der Kehlkopf hüpft nach oben, Süßkind keucht und schluckt, während der Mann auf der anderen Seite mit einer unerträglichen Fistelstimme von lauen Abenden in den Praterauen erzählt.
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