Ich freue mich über die­se tol­le Ein­la­dung!
Pro EU-Land rei­sen je ein Buch (bzw. sein/e Autor:in) an – ich ver­tre­te Öster­reich.
Das Fes­ti­val fin­det von 15. bis 18. Mai statt.
Eine öffent­li­che Lesung gibt es am 15.5. im Lite­ra­tur­haus Kiel.
Die Rei­se wird durch ein Rei­se­sti­pen­di­um des BMUKK finan­ziert.

Rei­se­be­richt

Der Tag star­tet her­vor­ra­gend, mit Wind­bö­en und einer herz­li­chen Umar­mung, denn die Autorin hat bei ihrer Freun­din in Wien über­nach­tet, um am Mor­gen recht­zei­tig am Flug­ha­fen zu sein. Graz als Wohn­ort hat sei­ne Vor­tei­le ( bzw Nach­tei­le…)
Die Can­ti­net­ta der Freun­din blub­bert um 6:25. Fünf Minu­ten noch, dann muss ich los. Aber was, sagt die Freun­din, du brauchst doch kei­ne drei­vier­tel Stun­de bis Land­stra­ße. Nein, natür­lich nicht. Aber ich gehö­re zu den ner­vö­sen Rei­sen­den, Flü­ge gehö­ren da ganz beson­ders dazu. Man stel­le sich vor, die U‑Bahn bleibt ste­cken, die S‑Bahn hat einen Ober­lei­tungs­scha­den (Man kennt das ja aus mei­nem Roman, der nun nach Kiel rei­sen soll)… Die Angst, über­all­hin zu spät zu kom­men, habe ich von der Groß­mutter in die Wie­ge (oder bes­ser: ins Abteil) gelegt bekom­men, war­um wird man im nächs­ten Roman erfah­ren. Hof­fent­lich. Der zwei­te Roman schreibt sich bekannt­lich nicht ganz angst­frei.
Mit dem Lift hin­un­ter zur U3. Der Zug zeigt gera­de sein Hin­ter­teil, aber das macht nichts, und wenn der nächs­te erst in 20 Minu­ten käme, gin­ge es sich immer noch locker aus. Wie gesagt. Aber auf der Anzei­ge wird bloß eine Minu­te War­te­zeit vor­her­ge­sagt.
Lei­der kommt kein Zug. Statt­des­sen eine Durch­sa­ge: Kein regel­mä­ßi­ger U3-Ver­kehr…
Gera­de noch recht­zei­tig am Flug­ha­fen – nach einer Odys­see – der teu­re Cat muss­te genom­men wer­den, das ÖBB Ticket ver­fiel (die Autorin denkt an den schrump­fen­den För­der­topf und die Rech­nung für Flug­ti­ckets und Über­set­ze­rIn­nen, die dem­nächst ein­tru­deln wird – in unbe­kann­ter Euro-Höhe…)
Zusam­men­tref­fen von Autorin und Lek­to­rin am Gate. …
Ange­kom­men in Ham­burg geht es gleich wei­ter mit dem Shut­tle-Taxi nach Kiel. Alles bes­tens orga­ni­siert, von Anfang an. Wir errei­chen das Hotel, wer­den freund­lich begrüßt und bekom­men unse­re Map­pen mit dem Zeit­plan für die nächs­ten Tage sowie die Bro­schü­re mit den über­setz­ten Text­tei­len. Inter­es­sant für mich zu sehen : wäh­rend die fran­zö­si­sche Über­set­zung mein Min­dest­ge­fühl an Rhyth­mus befrie­digt, stel­le ich fest, dass die eng­li­sche Über­set­zung eine Wort-für-Wort Über­tra­gung ist. Mit einer ein­zi­gen Aus­nah­me: Das Wort Welt wur­de völ­lig sinn­lo­ser­wei­se durch das Wort Tag ersetzt. Da bemüht man sich 7 Jah­re um Spra­che und Rhyth­mus – nun … auch dar­an wer­de ich mich wohl gewöh­nen müs­sen, es ist ja nur ein „Werk­zeug“ wie es heißt, um einen ers­ten Ein­druck zu gewin­nen. 

Einen ers­ten (sehr klei­nen) Ein­druck der Roma­ne gewin­nen wir auch beim Lese­fest im Lite­ra­tur­haus. (> mei­ne Lesung kann man mitt­ler­wei­le beim Lite­ra­tur­te­le­fon Kiel nach­hö­ren.) Nach einem exzel­len­ten Abend­essen in einem sehr ent­zü­cken­den Ambi­en­te am Meer (samt Erst­be­schnup­pe­rung der ande­ren AutorIn­nen und Lek­to­rIn­nen sowie der Ver­ant­wort­li­chen) machen wir uns auf zum alten Bota­ni­schen Gar­ten, des­sen ehe­ma­li­ges Gar­ten­haus nun die Funk­ti­on eines Lite­ra­tur­hau­ses erfüllt. Ein wun­der­schö­ner Platz für ein Debüt­fes­ti­val – oder Hoch­zeits­fo­tos. Wie wir am letz­ten Tag erfah­ren wer­den, haben sich man­che Kie­le­rIn­nen vor 20 Jah­ren sehr für den Erhalt des Bota­ni­schen Gar­tens ein­set­zen müs­sen, damit die Flä­che nicht ver­baut wur­de.

Der Abend ist kühl, wir schlüp­fen gegen Mit­ter­nacht ins bestell­te Groß­raum­ta­xi, auf das wir lan­ge war­ten muss­ten. In Kiel gibt es nicht vie­le Taxis – und Don­ners­tag ist hier der Tag, an dem die Stu­den­tIn­nen übli­cher­wei­se aus­ge­hen, da Frei­tag kei­ne Vor­le­sun­gen statt­fin­den. Ande­re Län­der, ande­re Sit­ten, den­ke ich und muss mich an den Lon­do­ner Brauch erin­nern, die Wochen­mit­te zu betrin­ken.
Das Hotel ist ein Traum, von dem wir nicht viel mit­be­kom­men. Nach der Ankunft hat­te ich noch ein wenig die Nach­mit­tags­son­ne genie­ßen kön­nen – der Gedan­ke, für ein Hotel mit Meer­blick auf­zu­zah­len, hat­te mich noch kurz beschli­chen, aber mitt­ler­wei­le ken­ne ich die Lese­fes­ti­vals gut genug, um zu ahnen, dass man sowie­so nicht viel vom Meer­blick sieht.

Was sich schon am nächs­ten Tag als Tat­sa­che her­aus­stellt. Das Fes­ti­val ist gut geplant, jede Minu­te vor­her­be­stimmt. Gemein­sam spa­zie­ren wir um 9h mor­gens los – im Bota­ni­schen Gar­ten wird ein Grup­pen­fo­to geschos­sen. Dann sind wir auch schon dran – Mit­tel­stadt­rau­schen ist die ers­te von ins­ge­samt 10 Prä­sen­ta­tio­nen. In Eng­lisch. Über sein eige­nes Buch zu spre­chen und die vie­len Hand­lungs­strän­gen kurz zu erklä­ren ist schwer genug – aber in einer Fremd­spra­che erscheint es fast unmög­lich. Die­se Angst ist aber auch nur eine Form des sprach­li­chen Per­fek­tio­nis­mus, die man hier able­gen muss – wir arbei­ten hier mit schlech­tem Werk­zeug, die Über­set­ze­rin­nen ölen unse­re Sät­ze not­dürf­tig, indem sie uns schnell die erfrag­ten Voka­bel zuwer­fen.

Am ers­ten Vor­mit­tag fin­den die Roman­prä­sen­ta­tio­nen statt. Ich sit­ze in 2 Decken ein­ge­hüllt und frie­re. Ob ich krank sei, wer­de ich gefragt – von Men­schen, die in kur­zen Ärmeln her­um gehen. Nein, ich bin erfro­re­ne Öster­rei­che­rin. Außer­dem unter­stellt man mir ger­ne eine kroa­ti­sche See­le – da darf ich ruhig ein biss­chen schnel­ler frie­ren als ande­re. (War­um aller­dings die Spa­nie­rin weni­ger lei­det als ich, kann ich nicht sagen, viel­leicht, weil sie Gali­zie­rin ist. Ich kann mich erin­nern, dass es dort ganz schön kühl wer­den kann. Das kann es aller­dings in Wien auch. Aber ich bin ja nach Graz gezo­gen. Und des­we­gen käme nie auf die Idee, den Kie­lern nach dem Früh­stück ins Meer nach­zu­sprin­gen. Ich sehe lie­ber vom Fens­ter aus zu…)

Am Nach­mit­tag dann die Schiff­fahrt nach Laboe. Davor noch: Essen. Herr­li­ches Essen, gutes Essen (im Moment sit­ze ich gera­de mit geöff­ne­tem Hosen­knopf im Flug­zeug nach Wien. Lang­sam habe ich eine Ver­mu­tung. Man schickt uns Debü­tan­tIn­nen zu Fes­ti­vals, damit wir end­lich wie­der ein biss­chen zuneh­men… Als neue Selb­stän­di­ge sind unse­re Kühl­schran­ke leer, und das mit dem Tages­rhyth­mus beherr­schen wir auch noch nicht so rich­tig …)

Das Schiff ist gut geheizt. Mar­ti­na Schmidt und ich sit­zen bei Tee, wäh­rend die ande­ren an Deck frie­ren. Das ist das Schö­ne an so einem Fes­ti­val: Man hat end­lich Zeit, die eige­ne Lek­to­rin ken­nen zu ler­nen. Eine Sel­ten­heit. Wie wir (euro­päi­schen Debü­tan­tIn­nen) übri­gens alle fest­stel­len (in der AutorIn­nen­ge­sprächs­run­de am 3. Tag.) Ob wir mit unse­ren Ver­la­gen zufrie­den sei­en, fragt man uns – jetzt hät­ten wir die Mög­lich­keit, über Miss­stän­de zu schimp­fen, denn die Pro­gramm­lei­te­rIn­nen säßen bei geschlos­se­ner Tür im Ober­stock. Wie sich her­aus­stellt, gibt es kei­ne Miss­stän­de. Nur man­geln­de Zeit … In einem Ver­lag bleibt nicht viel Raum für per­sön­li­che Betreu­ung, auch wenn sich unse­re Lek­to­rIn­nen alle sehr bemü­hen.

Ab wann ist man AutorIn? Und wie fühlt es sich an, wenn sich ein Lebens­traum erfüllt? Wenn man sich plötz­lich fragt: Ist das wirk­lich das Leben, das ich will – jetzt, da das Schrei­ben kein „Hob­by“ mehr ist, für das man Zeit raus­schin­det, son­dern – wie in mei­nem Fall – Beruf? Wenn man nüch­tern bemerkt: Es wird immer eine offe­ne Bau­stel­le geben. Kaum ist der eine Roman geschrie­ben, befasst man sich auch schon mit dem nächs­ten. Das hört nie auf. (Natür­lich könn­te es, wenn man woll­te. Aber ich will ja nicht. )
Plötz­lich sind Ver­kaufs­zah­len wich­tig. Jeder, der es zum Debüt­fes­ti­val geschafft hat und sagt: Mich stört es nicht, wenn das nächs­te ein Flop wird, lügt. Hier sit­zen jene Debü­tan­tIn­nen, die unge­wohnt viel Auf­merk­sam­keit erhal­ten haben. Das ist doch etwas Schö­nes, aber auch etwas, das die Erwar­tun­gen stei­gert.
„Aber man muss doch schrei­ben, was einem am Her­zen liegt.“ – Ein Satz, der in unse­rer Run­de oft fällt. Also jetzt erst recht. Kei­nen Leser im Kopf. Wie­der zu dem fin­den, was man beim ers­ten Mal spür­te. Den Drang, die­ses eine Ding schrei­ben zu müs­sen – nichts ande­res zählt.
Wäh­rend oben über Ama­zon und den eBook-Markt gere­det wird, tei­len wir im Erd­ge­schoss unse­re Ängs­te. Der / die eine hat sie mehr, der/ die ande­re weni­ger. Aber sie sind da…

Schreib ein­fach, leg die Angst ab, sagt mir Sus­an Bin­der­mann, die mei­nen Roman sehr lobt und als Lite­ra­tur­agen­tin arbei­tet. Genau, bestä­tigt der hol­län­di­sche Lek­tor, Ver­kaufs­zah­len sind nicht das wich­tigs­te. Schrei­ben kannst du ja.
Kann ich es? Woher wol­len die bei­den das wis­sen? Und was heißt: Leg dei­ne Angst ab. Ist die Angst ein Man­tel?
Stell dir vor, du hast Höhen­angst, sage ich. Ich zwin­ge dich auf den Eif­fel­turm … und jetzt schau hin­un­ter, dort siehst du Paris, wie du es nir­gend­wo sonst siehst… Ist doch ganz leicht, leg dei­ne Angst ab, es pas­siert nichts, tau­sen­de Men­schen ste­hen täg­lich dort oben.
Ich mer­ke: Ver­le­ge­rIn­nen haben kei­ne Ahnung. Sie wol­len uns mit ihren Sät­zen beru­hi­gen, sie bestär­ken uns. Sie sind ein biss­chen wie Mut­ter und Vater. Wir sind ihre Nest­häk­chen – sie haben uns adop­tiert. Natür­lich wol­len wir, dass sie wei­ter­hin stolz auf uns sind.

Viel­leicht, so beschleicht mich die Ver­mu­tung, schrei­ben wir den 2. Roman vor allem für unse­re Adop­tiv­el­tern. Mei­ne Fra­ge ist viel zu oft: Wird der neue Text mei­ner Lek­to­rin gefal­len?
Mein Schwei­zer Kol­le­ge sagt: Ein Satz, für den ich nicht eine Stun­de den­ke, ist nicht gut. Zu leicht dür­fe es nicht gehen. Ich den­ke: Ein Satz, an dem ich zu lan­ge fei­len muss, soll­te lie­ber ganz gestri­chen wer­den.
Schreib so, wie es für dich gut ist, lass dich nicht ver­un­si­chern, sagt mir Mar­ti­na, als ich ihr davon erzäh­le. Als ich sie fra­ge: Bin ich zu unge­dul­dig?
In Ver­la­gen bekommt man nicht immer das Feed­back, das man sich wünscht. Das gren­zen­lo­se Ver­trau­en mei­ner Lek­to­rin in mein neu­es Pro­jekt ist etwas, das mich ver­un­si­chert. Ich bin Kri­tik gewöhnt.
Selbst­hil­fe­grup­pe für Debü­tan­tIn­nen – so schrieb Herr Pater­no vom Pro­fil abschät­zig über das Gra­zer AutorIn­nen Kol­lek­tiv, dem ich ange­hö­re, und des­sen Mit­glie­der ich um Hil­fe bit­te, wenn ich mir nicht sicher bin, ob mei­ne Hand­lungs­strän­ge nach­voll­zieh­bar sind. Ob ich zuviel oder zu wenig erklä­re. Ob die Spra­che für die­se eine Sze­ne die rich­ti­ge ist.
Selbst­hil­fe­grup­pen. Man gesteht uns AutorIn­nen also immer noch nicht zu, AutorIn­nen zu sein, wenn wir nicht still im Käm­mer­lein sit­zen. Was wür­de Herr Pater­no wohl zu die­sem Fes­ti­val sagen? Grup­pen­the­ra­pie in Kiel? Atmen gegen die Angst in am Meer?

Was ich von die­sem Fes­ti­val mit­neh­me:
Wir waren 10 AutorIn­nen, die unter­schied­li­cher nicht sein konn­ten. The­men, Spra­che, Arbeits­wei­se … alles unter­schied uns. Aber eines hat­ten wir gemein: Plötz­lich ist unser Traum Wirk­lich­keit gewor­den. Da gibt es kein ulti­ma­ti­ves Ziel mehr, auf das wir hin­ar­bei­ten. Einen Roman zu schrei­ben, der so gut ist, dass ein Ver­le­ger ihn in sein Pro­gramm auf­nimmt, obwohl dich nie­mand kennt, ist eine Sache. Eine ande­re ist es, wei­ter­zu­schrei­ben. Jetzt geht es dar­um, pro­fes­sio­nell zu arbei­ten. Wir müs­sen zu einem Schreib­rhyth­mus fin­den, der uns zufrie­den­stellt. Plötz­lich ist auch das Lesen Teil unse­rer Arbeit. Sogar das Spa­zie­ren­ge­hen.
Was ich von die­sem Fes­ti­val mitnehme:Wir waren 10 AutorIn­nen, die unter­schied­li­cher nicht sein konn­ten. The­men, Spra­che, Arbeits­wei­se … alles unter­schied uns. Aber eines hat­ten wir gemein: Plötz­lich ist unser Traum Wirk­lich­keit gewor­den. Da gibt es kein ulti­ma­ti­ves Ziel mehr, auf das wir hin­ar­bei­ten. Einen Roman zu schrei­ben, der so gut ist, dass ein Ver­le­ger ihn in sein Pro­gramm auf­nimmt, obwohl dich nie­mand kennt, ist eine Sache. Eine ande­re ist es, wei­ter­zu­schrei­ben. Jetzt geht es dar­um, pro­fes­sio­nell zu arbei­ten. Wir müs­sen zu einem Schreib­rhyth­mus fin­den, der uns zufrie­den­stellt. Plötz­lich ist auch das Lesen Teil unse­rer Arbeit. Sogar das Spa­zie­ren­ge­hen.
Und dann gibt es da noch ande­re Din­ge. Wie Selbst­ver­mark­tung. Wer bin ich, was gebe ich von mir Preis und in wel­cher Form? Blogs, Face­book … und sei es, dass du dei­ne Orchi­deen pos­tet, die Lese­rIn­nen wol­len wis­sen, wer du bist. (Es gibt ohne­hin genug Berich­te, auf die man kei­nen Ein­fluss hat.)
Irgend­wann ist auch die Ent­schei­dung da: Es soll doch noch Zeit zum Schrei­ben blei­ben. Da ist die Fra­ge nach dem Hono­rar, das bei öffent­li­chen Lesun­gen eine Bedeu­tung gewinnt. Plötz­lich sind nicht mehr wir es, die dan­ken, dass wir lesen dür­fen, son­dern man dankt uns …
That´s all about being a debut-aut­hor.
Man tele­fo­niert stun­den­lang mit dem Finanz­amt statt zu schrei­ben. Und nach dem Schrei­ben steht man plötz­lich da und sagt: Was jetzt? Wel­chen Aus­gleich fin­de ich zum Lesen und Schrei­ben und Recher­chie­ren? Wie ent­span­ne ich nach dem oft mehr­stün­di­gen Mail­ver­kehr? Muss ich mir jetzt eine Uku­le­le kau­fen?
Mitt­ler­wei­le ist es 22:25 und ich sit­ze in der Bahn von Wien nach Graz. Sie ver­lan­gen einen Rei­se­be­richt von einer neu­en Autorin, die ihr Land beim euro­päi­schen Fes­ti­val des Debüt­ro­mans ver­tre­ten durf­te. Da darf man schon etwas ver­lan­gen, sagen Sie. Sonst hät­ten wir ja eine ande­re schi­cken kön­nen …
Sie fra­gen mich nach dem Out­put. Das Debüt­fes­ti­val bringt AutorIn­nen und Ver­le­ge­rIn­nen unter­schied­li­cher Län­der an einen Tisch. Natür­lich geht es um den Aus­tausch (Geben Sie mir Ihr Buch mit, ich wer­de es mir näher anse­hen). Natür­lich geht es um die Hoff­nung auf Ver­trä­ge. Um Net­wor­king, wie es so schön heißt. Aber ich unter­stel­le Herrn Sand­fuchs aus Kiel vor allem eines. Immer­hin ist es sein 12. Debüt­fes­ti­val und er weiß, wel­che Din­ge gesche­hen. Er weiß, dass wir AutorIn­nen am run­den Tisch über unse­re Ängs­te spre­chen und er weiß, dass die Lek­to­rIn­nen wäh­rend­des­sen über den Gigan­ten Ama­zon jam­mern. Er weiß, dass es nach­her auch von allen hei­ßen wird (wenn auch ein biss­chen hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand): Also, die­ser Teil war ja nett aber über­flüs­sig.
Ich unter­stel­le Herrn Sand­fuchs, dass er weiß, dass die­ses Debüt­fes­ti­val tat­säch­lich (nicht nur und nicht vor­der­grün­dig aber auch) ein biss­chen die Funk­ti­on einer „Selbst­hil­fe­grup­pe für Debü­tan­tIn­nen“ auf­weist. (Ja, Herr Pater­no, Sie haben recht.) Als Debü­tan­tin ist es schwer, über die eige­nen Sor­gen zu spre­chen, v.a. wenn dei­ne Freun­de ger­ne schrei­ben wie du aber noch kei­nen Ver­lag gefun­den haben. In Kiel hat­te ich end­lich die Mög­lich­keit, mich mit Men­schen aus­zu­tau­schen, denen es ging wie mir.
Ich habe einen Rei­se­be­richt begon­nen – und ich habe ihn von Anfang an so geschrie­ben, wie er nicht geplant war. Der Stress mit der U3 – und dann berich­te ich Ihnen nicht nicht ein­mal von den Pro­gramm­punk­ten son­dern schwei­fe ab. Aber was erwar­ten Sie von einer Autorin, die ihren Roman­kon­zep­ten nie treu bleibt (sonst gäbe es Mit­tel­stadt­rau­schen nicht – oder glau­ben Sie, die vie­len Hand­lungs­strän­ge waren von Anfang geplant?)
Sie bekom­men von mir ein Stück Tri­via­le Bahn­li­te­ra­tur, nen­nen wir es so.
Und wenn Sie sich fra­gen: War­um sol­len wir die­se Rei­se nach Kiel wei­ter­hin för­dern?
Nun, aus Leser­sicht sage ich: Dort gibt es 10 tol­le Roma­ne zu ent­de­cken – und wenn Deutsch­land sie uns nicht (wie im Fall Razon) weg­schnappt hat, kom­men sie viel­leicht in öster­rei­chi­schen Ver­la­gen her­aus. Moder­ne Gegen­warts­li­te­ra­tur aus Polen, Finn­land, Gali­zi­en,…. (Das pol­ni­sche Debüt zum Bei­spiel reis­te mit nach Wien.)
Aus Sicht einer Debü­tan­tin ver­ra­te ich Ihnen: Es ist anstren­gend, sich mit ande­ren aus­zu­tau­schen. Es braucht tat­säch­lich 3 Tage, bis man den ande­ren (die ja auch ein Kon­kur­ren­tIn­nen sind – immer­hin stand ich mit dem Schwei­zer Kol­le­gen gemein­sam auf einer Short­list und mit dem deut­schen Kol­le­gen las ich schon um die Gunst eines Publi­kum­prei­ses) ver­traut. Danach geht man ein wenig beru­hig­ter hin­aus. Und mit ein biss­chen mehr Selbst­ver­trau­en. Die Lite­ra­tur­ma­schi­ne mag ein zäh­ne­flet­schen­des Mons­ter sein, aber solan­ge Men­schen ein­an­der als Men­schen begeg­nen, ist alles mach­bar.

Was ich noch vom Debüt­fes­ti­val mit­neh­me? Ich habe in Kiel die Uku­le­le ent­deckt – und wer­de mir nun selbst eine zule­gen.